Alltagsvorstellungen

Vorbemerkung

Unter Alltagsvorstellungen werden allgemein verbreitete Vorstellungen, Gedanken, Begriffe, Überlegungen, die durch Erfahrungen im Alltag entstehen und sich bewähren, verstanden (z. B. Schubert, 2012; Hammann & Asshoff, 2014). In der fachdidaktischen Forschung spricht man häufig von Schülervorstellungen. Unter einer Vorstellung werden nach Baalmann et al. (2004) Kognitionen verstanden, die Verständnisse und Gedanken zu einem bestimmten Sachgebiet umfassen, also subjektive mentale Prozesse, die immer selbst von den Personen konstruiert werden. Während also bei der Vorstellung immer eine individuelle Konstruktion im Zentrum steht und subjektive Denk- und Erklärungsmuster umfasst, geht der Begriff Vorwissen von einem fachlichen Lerngegenstand aus und kann in der Regel mit den Kategorien richtig oder falsch eingeteilt werden (z. B. Schuler, 2011). Während es in der naturwissenschaftsdidaktischen und geographiedidaktischen Forschung eine Vielzahl an Untersuchungen, auch zu BNE-Themen gibt, sind Studien mit Studierenden und Erwachsenen als Probandinnen und Probanden seltener. Selten sind auch Interventionsstudien, die aufzeigen, wie man in Unterricht und Lehre an Vorstellungen anknüpft und versucht, sie in wissenschaftsnähere Vorstellungen zu überführen (conceptual change) (z. B. bezüglich Treibhauseffekt Reinfried et al., 2010, 2012, Reinfried & Tempelmann, 2014, Schuler, 2015). Auf den folgenden Unterseiten werden exemplarisch einige Studien und Ergebnisse kurz aufgeführt.  

Literatur:

Baalmann, W., Frerichs, V., Weitzel, H., Gropengießer, H., & Kattmann, U. (2004). Schülervorstellungen zu Prozessen der Anpassung. Ergebnisse einer Interviewstudie im Rahmen der Didaktischen Rekonstruktion. Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 10, 7–28.

Hammann, M., & Asshoff, R. (2014). Schülervorstellungen im Biologieunterricht. Ursachen für Lernschwierigkeiten. Klett/Kallmeyer.

Reinfried, S., Aeschbacher, U. Huber, E., & Rottermann, B. (2010), In Reinfried, S. (Hrsg.), Schülervorstellungen und geographisches Lernen. Aktuelle Conceptual-Change-Forschung und Stand der theoretischen Diskussion. Logos-Verlag.

Reinfried, S., Aeschbacher, U., & Rottermann, B. (2012). Improving students’ conceptual understanding of the greenhouse effect using theory-based learning materials that promote deep learning. International Research in Geographical and Environmental Education, 21(2), 155–178.

Reinfried, S., & Tempelmann, S. (2014). Wie Vorwissen das Lernen beeinflusst – Eine Lernprozessstudie zur Wissenskonstruktion des Treibhauseffekt-Konzepts. Zeitschrift für Geographiedidaktik (ZGD), 42(1), 31-56. https://doi.org/10.18452/23977

Schubert, J. C. (2012). Schülervorstellungen zu Wüsten und Desertifikation. Eine empirische Untersuchung zu einem zentralen Thema des Geographieunterrichts. Dissertation. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Fachbereich Geowissenschaften.

Schuler, S. (2011). Alltagstheorien zu den Ursachen und Folgen des globalen Klimawandels. Erhebung und Analyse von Schülervorstellungen aus geographiedidaktischer Perspektive. Europäischer Universitäts-Verlag.

Schuler, S. (2015). Schülerzeichnungen im Unterricht. Wie man geographische Schülervorstellungen mit Zeichnungen diagnostizieren und verändern kann. Praxis Geographie, 45(7-8), 9–15.

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